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Wärmepumpe und Altbau

Wärmepumpe nachrüsten: So klappt es auch im Altbau!

baupal, 11. April 2022

Mit einer Wärmepumpe lässt sich ein Neubau umweltfreundlich und kostengünstig heizen. Daher wird fast in jedem zweiten Neubau eine Wärmepumpe verbaut. Für Bestandsimmobilienbesitzer stellt sich die Frage: Ist es sinnvoll, eine Wärmepumpe nachzurüsten? Grundsätzlich ja. Es sollten aber einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Entscheidend für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe ist eine geringe Vorlauftemperatur. Die Vorlauftemperatur bezeichnet die Temperatur des Heizwassers, bevor es in den Heizkörper fließt. Für den wirtschaftlichen Betrieb einer Wärmepumpe sollte die Vorlauftemperatur 55 °C nicht überschreiten.

Ob sich eine Wärmepumpe für dein Bestandsgebäude ohne weitere Maßnahmen lohnt, findest du mit diesem einfachen Test heraus: Beschränke die Vorlauftemperatur deiner Heizung auf 55 °C an einem kalten Wintertag. Drehe anschließend die Heizkörper auf. Wird das Haus wohlig warm, sind keine weiteren Maßnahmen nötig für den wirtschaftlichen Betrieb deiner Wärmepumpe. Bleibt das Haus unangenehm kühl, solltest du Maßnahmen umsetzen, die es dir ermöglichen, auch bei geringen Vorlauftemperaturen dein Haus warm zu halten.

Maßnahmen: Vorlauftemperatur senken

Dein Haus hat den Vorlauftemperatur-Test nicht bestanden? Dann helfen dir die folgenden Maßnahmen! Je mehr du von diesen umsetzt, desto effektiver heizt du dein Haus mit einer nachgerüsteten Wärmepumpe.

Hydraulischer Abgleich

Das Heizwasser sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstandes. Durch dicke kurze Rohre fließt mehr als durch lange dünne. Die Folge: Heizkörper nahe dem Heizkessel werden zu heiß und die Weiterentfernten nur lauwarm. Beim hydraulischen Abgleich werden die Thermostatventile so eingestellt, dass jeder Heizkörper die optimale Wärme liefert. Der hydraulische Abgleich stellt also sicher, dass du deine Heizfläche voll ausnutzt und so eine geringere Vorlauftemperatur benötigst.

Ein hydraulischer Abgleich kostet etwa 500€. 20% der Kosten kannst du erstattet bekommen im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen. Der hydraulische Abgleich ist eine einfache und kosteneffektive Maßnahme, um die Vorlauftemperatur zu senken.

Gebäude dämmen und Fenster tauschen

Ist das Haus gut gedämmt, verliert es weniger Energie an die Umwelt. Daher muss die Heizung weniger leisten und die Vorlauftemperatur lässt sich niedriger einstellen. Besonders die Kellerdeckendämmung und die Dämmung der obersten Geschossdecke sind effektiv und einfach umzusetzen. Eine Außenwanddämmung und der Fenstertausch sind weitere sinnvolle Maßnahmen, obwohl sie mit höheren Investitionskosten verbunden sind.

Tipp: Lass dir einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) von einem zertifizierten Energieberater erstellen. Der Sanierungsfahrplan gibt dir einen detaillierten Überblick über den energetischen Ist-Zustand deiner Immobilie. Zusätzlich erhältst du einen Plan zur Umsetzung von sinnvollen Sanierungsmaßnahmen z. B. Anschaffung einer Wärmepumpe, Dämmung der Kellerdecke und Tausch der Fenster. Maßnahmen, die im Rahmen eines iSFPs umgesetzt werden, erhalten 5% mehr Fördergelder (iSFP-Bonus). Der Sanierungsfahrplan kostet dich unter 500€. Bei einer Investitionssumme von 20.000€ erhältst du durch den iSFP-Bonus schon 1.000€ mehr Förderung.

Heizflächen vergrößern

Je größer die Heizköperoberfläche ist, desto leichter kann die Wärme des Heizwassers an die Raumluft abgegeben werden. Flächenheizungen wie z. B. eine Fußbodenheizung ermöglichen daher einen besonders effizienten Wärmepumpenbetrieb mit geringer Vorlauftemperatur. Eine Alternative sind spezielle Wärmepumpenheizkörper. Diese haben kleine Ventilatoren verbaut, um die Wärmeübertragung an die Raumluft zu erhöhen.

Bivalenter Betrieb: Wärmpumpe und alte Heizung nutzen

Funktioniert die Bestandsheizung noch gut, kann ein bivalenter Betrieb mit der Wärmepumpe die beste Lösung sein. Beim bivalenten Betrieb nutzt du die klimafreundliche Wärmepumpe, wenn diese effizient arbeitet. In sehr kalten Wintermonaten läuft dann deine Bestandsheizung, um die erhöhten Stromkosten für den Wärmepumpenbetrieb zu sparen.

Tipp: Das Fraunhofer ISE hat im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über 5 Jahre den Betrieb von Wärmepumpen im Altbau untersucht. Dazu wurden die Effizienzwerte von Wärmepumpen in unterschiedlichen Bestandsgebäuden analysiert. Hauptergebnis der Untersuchung war: Wärmepumpen arbeiten zuverlässig und bringen CO2-Einsparungen. Es ist keine Komplettsanierung auf Neubaustandard nötig, um eine Wärmepumpe wirtschaftlich zu betreiben. Den Abschlussbericht zu der Untersuchung findest du hier.

Wärmepumpe nachrüsten: Stromkosten im Rahmen halten

Der größte Kostenpunkt einer Wärmepumpe ist der Stromverbrauch. Um die Stromkosten zu senken, ergibt es auch bei Bestandsimmobilien Sinn, eine Wärmepumpe mit erneuerbaren Energien zu kombinieren. Eine Solarthermie-Anlage kann über weite Teile des Jahres die Wärmepumpe entlasten. Mit dem günstigen Strom aus deiner eigenen Photovoltaik-Anlage kannst du die Betriebskosten der Wärmepumpe stark reduzieren.

Falls du keine Photovoltaik-Anlage hast, solltest du dir die speziellen Stromtarife für Wärmepumpen anschauen. Dieser Heizstrom ist im Schnitt 22% günstiger als Haushaltsstrom. Der Preisunterschied begründet sich durch die geringeren Konzessionsabgabe und Transportentgelte für Heizstrom. Rund 1000 Energieversorger bieten diese speziellen Stromverträge an. Für einen Heizstromvertrag müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Wärmepumpe muss für den Netzbetreiber steuerbar sein und einen eigenen Stromzähler haben. Bei einem Verbrauch von 6.000 Kilowattstunden pro Jahr lohnt es sich, einen Heizstromvertrag abzuschließen.

Anpassungen an der Heizkurve können weitere Stromeinsparungen bringen. Anhand der Heizkurve weiß deine Heizung, welche Vorlauftemperatur bei der aktuellen Außentemperatur benötigt wird. Die Heizkurve ist vom Gebäude abhängig. Sie sollte so gewählt werden, dass die Heizung gerade die gewünschte Raumtemperatur erreicht. Eine optimierte Heizkurve sorgt dafür, dass deine Wärmepumpe nicht unnötig Strom verbraucht.

Förderung für Wärmepumpe und Sanierungsmaßnahmen

Will man eine Wärmepumpe nachrüsten, so sollte man sich auf einige Kosten einstellen. Glücklicherweise gibt es hohe Förderprozente vom Staat für die Wärmepumpe selbst und die eventuell nötigen Maßnahmen für ihren effizienten Betrieb. Die Wärmepumpe wird mit 35% gefördert, wird eine alte Ölheizung ausgetauscht, so gibt es weitere 10% Förderung. Der Fenstertausch und Dämmmaßnahmen werden mit 20% gefördert. Alle Maßnahmen, die im Rahmen eines individuellen Sanierungsfahrplans stattfinden, erhalten weitere 5% Förderung. So kann es eine Förderung von bis zu 50% für die Wärmepumpe geben. Generell kann man sich entscheiden, die Förderung in Form eines Zuschusses oder eines Tilgungszuschusses zu erhalten. Mit Förderung kostet eine Luft-Wärmepumpe ca. 9.000€.

Mann und Frau mit Sanierungsfahrplan (iSFP)

Fazit: Gute Planung ist besonders im Altbau wichtig

Das Nachrüsten einer Wärmepumpe ist bei Bestandsgebäuden sinnvoll. Wichtig ist aber eine gute Planung, um einen effizienten Betrieb zu gewährleisten. Es ist empfehlenswert, sich zuerst einen Sanierungsfahrplan vom Energieberater erstellen zu lassen. Während der Ausarbeitung des Sanierungsfahrplans wird klar, ob eine Wärmepumpe das richtige Heizsystem für deine Immobilie ist. Zusätzlich erhältst du mit dem Sanierungsfahrplan 5% mehr Förderung auf die Wärmepumpe und die eventuell anfallenden effizienzsteigernden Maßnahmen. Sollte sich herausstellen, dass eine Wärmepumpe sich nur mit sehr teuren Maßnahmen lohnt, dann ist eine Pelletheizung vielleicht die Richtige klimafreundlicher Alternative für dich. Ein Energieberater betrachtet deine Situation ganzheitlich und hilft dir, die richtigen klimaschonenden und kostensparenden Entscheidungen zu treffen.

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